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- 12. August 2008

Interview mit Dir. DI Dr. Antony Scholz, Direktor der Grazer Verkehrs Betriebe

Als öffentliches Verkehrsunternehmen in der zweitgrößten Stadt Österreichs leisten die Grazer Verkehrs Betriebe (GVB) einen wichtigen Beitrag für die tägliche Mobilität von tausenden Menschen. Damit sind auch zentrale Fragen der Nachhaltigkeit verbunden. oikos traf GVB-Direktor DI Dr. Antony Scholz, um über wirtschaftliche, soziale, ökologische und noch viele andere Dinge zu sprechen.

"Wo man Nachhaltigkeit realisieren kann, machen wir es."

oikos: Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit in Ihrer Position als Direktor der GVB? 

Scholz: Es ist keine Frage, dass Nachhaltigkeit für ein öffentliches Verkehrsunternehmen eine Selbstverständlichkeit bzw. eine Herausforderung ist bzw. sein müsste. Wir sehen alle unsere Dienstleistungen unter diesem Aspekt, d.h. wo man Nachhaltigkeit realisieren kann, machen wir es. Sehr oft sind natürlich ökonomische Zwänge gegeben, aber in Bezug auf die Ecksteine der Nachhaltigkeit, auf sozialem, ökonomischem, technischem und organisatorischem Gebiet, bin ich der Meinung, dass wir Nachhaltigkeit in den meisten unserer Leistungen und Aktivitäten realisieren können. Wir haben als öffentliches Verkehrsunternehmen doch einige diesbezügliche Entwicklungen realisiert. Wir haben z.B. vor über 10 Jahren mit der Umstellung von fossilem Diesel auf Biodiesel in unseren Bussen begonnen. Der Biodiesel wird in Mureck aus Altspeiseölen produziert. Um die Emissionswerte bei den Bussen zu verbessern, wurden in der Vergangenheit Partikelkatalysatoren in unsere Busse eingebaut. Ab 1.1.2009 ist die EURO-V-Norm vorgeschrieben. Inzwischen hat sich auf Seiten der Motorentechnik sehr viel getan. Wir überlegen uns auch andere alternative Treibstoffe einzusetzen. Wir haben vier Busse gekauft, die wir im März 2009 bekommen. Diese werden mit Erdgas betrieben werden, das bekanntlich noch niedrigere Emissionswerte als Biodiesel hat. Derzeit beschäftigen sich die GVB mit einem Projekt in Zukunft biogasbetriebene Busse in Graz einzusetzen. Allein der Einsatz von Straßenbahnen in Kommunen unterstützt die Nachhaltigkeit für die Umwelt und damit für die Bevölkerung.

 

 

Sind in diesem Zusammenhang strombetriebene Oberleitungsbusse angedacht worden?

Natürlich. Der Einsatz wird immer wieder diskutiert, auch Wirtschaftlichkeitsrechnungen wurden angestellt, aber es rechnet sich einfach nicht. Die Anschaffung von Oberleitungsbussen ist um fast 50 Prozent teurer, man braucht eine eigene Werkstätte, eigene Mechaniker und man ist wie die Straßenbahn an die Strecke gebunden. Außerdem ist der Strompreis in den letzten Monaten stark gestiegen. Aus diesem Grund gibt es wenige Städte europaweit, die Oberleitungsbusse einsetzen, Salzburg ist dabei eine Ausnahme. Die Grazer Alternative besteht im Ausbau des Straßenbahnnetzes.

 

 

Corporate Social Responsibility ist ein aktuelles Schlagwort – Was verbinden Sie damit?

Wir versuchen grundsätzlich unsere MitarbeiterInnen je nach Tätigkeit gut zu schulen und einzusetzen. Wir haben ca. 850 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 470 im Fahrdienst beschäftigt, der Rest ist in Werkstätten und in anderen Dienstleistungsbereichen tätig. Meiner Meinung nach gibt es ein ganz gutes soziales Umfeld. Die GVB sind ein Unternehmen, wo die MitarbeiterInnen“pflege“ sehr ernst genommen wird. Wir haben viele verschiedene Vereine – Charity-Verein, Wanderverein, Schachverein, Sportvereine bis hin zum Musikverein. Diese Vereine erbringen eine starke Identifizierung der MitarbeiterInnen mit dem Unternehmen. Weiters gibt es auch einen Unterstützungsverein für MitarbeiterInnen, die in Not geraten sind. Ich glaube, da könnten sich andere Betriebe etwas abschauen. Und die GVB haben einen Personalpool vor Jahren gegründet, in welchen MitarbeiterInnen kommen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Kernaktivität (z.B. im Fahrdienst) nicht mehr ausüben können. Diese MitarbeiterInnen werden in der GRAZ AG für adäquate Tätigkeiten, ihrem Gesundheitszustand entsprechend, eingesetzt.

oikos – students for sustainable economics and management